Bökelberg

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Sonntag, 17. Mai 2015

Kreuzfahrt ins Glück


Wenn gewisse Serien so lange bestehen das es fast schon irreal ist, wird man ein wenig abergläubisch. Im Bezug auf die Auswärtsspiele in Bremen heißt das in Zahlen ausgedrückt 24 Spiele in Folge nicht gewonnen, der letzte Sieg der Borussia im Weserstadion im März 1987. Schlappe 28 Jahre in die Hansestadt gereist und (mit ganz wenigen Ausnahmen) immer frustriert zurück gefahren. Also muss man sich etwas einfallen lassen um den Fluch irgendwie zu brechen. Wie wäre es also mal mit einer alternativen Reiseroute?
Was eigentlich als kleine Tour für etwa 20 Leute geplant war, artete am Ende dann doch ein wenig aus und so machten sich rund 150 Borussen bereits am Dienstag Morgen per Bahn auf den Weg nach Kiel um dort das nochmals Fortbewegungsmittel zu wechseln. Im Kieler Hafenbecken wartete die MSC Orchestra darauf, den bestens gelaunten und trinkfesten Haufen von Rautenträgern durch die Ostsee zu schippern. Gegen 13 Uhr waren alle Teilnehmer der ungewöhnlichen Reisegruppe an Bord und die magischen Bordkarten waren ausgehändigt, welche nicht nur die Türen zu den Kabinen sondern auch zum Getränkeparadies öffneten. An 16 verschiedenen Bars konnte somit dank des All-Inclusive-Getränkepakets Bier, Cocktails, Wein oder verschiedene Spirituosen in unbegrenzter Menge konsumiert werden. Ach ja (der Vollständigkeit halber) Kaffee, Cola oder Wasser wäre auch möglich gewesen.Als das Schiff gegen 17 Uhr ablegt, hat der eine oder andere die Kosten des Drink-Pakets schon für den ersten Tag wieder reingetrunken.

Erster Halt nach einer für manche sehr kurzen Nacht ist am Mittwoch morgen Kopenhagen. Völlig überraschend schellt an diesem Tag häufiger bei den Borussen das Telefon, was auch mit das beliebteste Fotomotiv und der beliebteste Post in diversen sozialen Netzwerken gewesen sein dürfte. Nach einem eher durchwachsenen Tag (was vor allem am Wetter lag) war am Ende aber jeder mit dem Auftakt zufrieden. Und selbst die kleine Meerjungfrau musste am Ende einsehen das Gladbach der geilste Club der Welt ist. Da hat die Borussia einen neuen Edelfan!


Zum Abschluss des Tages fand ein geselliger Abend in geschlossener Borussen-Gesellschaft in der "Shakers Lounge" im Heck des Schiffes statt. In Absprache mit der Reederei hatte unsere illustre Gruppe jeden Abend für ein paar Stunden eine Bar bzw. die Discothek für uns alleine um gemeinsam zu feiern, zu trinken, zu quatschen und unsere eigene Musik aufzulegen. Große Freude und Überraschung als zum Beginn des Abends direkt mal die CL-Hymne läuft. Gänsehaut garantiert!

Nächster Zwischenstopp am Donnerstag dann Norwegens Hauptstadt Oslo. Das traumhafte Wetter (16 Grad und strahlender Sonnenschein) lädt die einen zum Stadtrundgang ein, die anderen eher zum Verweilen am Sonnendeck mit kurzen (oder langen) Abstechern in den Whirlpool. Auch ein Ausflug zur großen Skisprungschanze am Holmenkollen stand für einige auf dem Programm. Oslo gefällt schon alleine durch die Lage der Stadt und die traumhafte Umgebung. Diese Stadt ist auf jeden Fall eine Reise wert. Vielleicht auch mal zum Spiel gegen Valerenga? Deren Spielstätte habe ich schon mal in Augenschein genommen und muss sagen, das ein Auftritt der Borussia im Ullevaal-Stadion sicherlich nicht das schlechteste ist, was uns passieren könnte.



Der dritte und letzte Tag führt uns letztendlich noch nach Göteborg. Auch hier präsentiert sich das Wetter von seiner besten Seite und ähnlich wie am Tag zuvor teilt sich die Gruppe wieder in Stadtrundgang und Sonnendeck auf. Als besonderen Tipp kann man empfehlen, die Stadt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erkunden. Für umgerechnet ca 9 Euro kann man 24 Stunden Busse, Bahnen und sogar ein Schiff nutzen. Im Zentrum ist alles sehr gut fußläufig zu erreichen. So auch die beiden (fast unmittelbar nebeneinander liegenden) Stadien "Gamla Ullevi" (Stadion von IFK Göteborg) und das "Ullevi", Schauplatz des EM-Finals von 1992. Durchaus sehenswert ist aber auch das Museums-Schiff  "Viking". Die Viermastbark liegt direkt gegenüber der (sehr futuristisch wirkenden) Oper am Stadthafen "Lille Bommen".




Der abschließende Abend in der bordeigenen Disco beweist noch einmal, was diese Tour ausmacht. Alle sind bester Laune. Jeder kommt (wie in den vorangegangenen Tage auch) mit jedem mal ins Gespräch, auch wenn man sich vielleicht vorher nicht kannte. Jeder Mitfahrer lebt die Raute auf seine eigene Weise und jeder hat das große Ziel und den großen Traum vor Augen, der nur noch einen Tag entfernt ist. Ein großes Kompliment an dieser Stelle an alle Mitfahrer. Keiner hat über die Stränge geschlagen, keiner hat sich daneben benommen und auch auf hoher See haben wir für Borussia ein gutes Bild auch bei allen anderen Gästen an Bord hinterlassen. Jeder hat dazu beigetragen, 4 unvergessliche Tage zu erleben. Vielen Dank dafür.


Und dann ist auch schon Samstag! Abreisetag! Spieltag! Ein wenig angeschlagen (3 Tage magische Bordkarte ist anstrengend) macht sich der Borussen-Tross auf den Weg nach Bremen. Jetzt gilt es zu beweisen, das ein wenig Aberglaube doch nicht so ganz falsch sein kann. 
Der extrem "fanfreundliche" Gästeblock im Weserstadion lädt wie jedes Jahr dazu ein, das Spiel am Bierstand auf der Leinwand zu verfolgen (zumindest für ein Spiel die Rückkehr der "Bierstand-Szene). Und wie schon in der gesamten Saison (und insbesondere in der Rückrunde) enttäuscht die Mannschaft uns auch diesmal nicht. Für dieses Team gibt es einfach keine Negativserien, keine Hemmschwelle, keine Gnade! 28 Jahre kein Sieg in Bremen? Egal! Mit einem Selbstverständnis das seinesgleichen sucht tritt der VFL auch beim SV Werder auf und knackt den Fluch von der Weser. 2:0! Kollektives Glücksgefühl im Block, zwei exzessive Bierduschen an der Leinwand!


37 Jahre nicht auf höchster europäischer Ebene gespielt? Völlig Wurscht! Das Warten hat ein Ende. In der kommenden Saison mischt Borussia im Konzert der ganz großen mit. Unglaublich emotionale Momente im Stadion die niemand mehr vergessen wird. Kein Titel, kein Abstieg und trotzdem stehen Erwachsenen Menschen die Tränen in den Augen oder laufen bereits übers Gesicht. Wie Stolz kann man sein auf sein Team das gerade das geschafft hat, was vor 4 Jahren noch als schlechter Witz abgetan worden wäre. Meißelt es in Stein:

BORUSSIA MÖNCHENGLADBACH 
SPIELT
 CHAMPIONS LEAGUE!!!!!!!


Montag, 23. März 2015

...dann bin ich nicht mehr Manuel Neuer!

"Wenn ich gegen Gladbach zwischen den Pfosten stehe...." müsste dieser Satz eigentlich beginnen. Und tatsächlich war es vom Welttorhüter der schon insgesamt fünfte schwere Patzer in einem Spiel gegen die Borussia. Jeweils zweimal zuvor schon im Trikot der Bayern sowie der Schalker griff der Weltmeister folgenschwer daneben. Dazu sei aber auch erwähnt das er der Guardiola-Elf im Hinspiel mit bärenstarken Paraden das 0:0 rettete. Spiele gegen die Fohlenelf entwickeln sich, so könnte man meinen, langsam zum Trauma für den Weltmeister-Keeper. Das er allerdings äußerst selten Gegentore verschuldet, soll dabei nicht unterschlagen werden. Es ist eben eine glückliche Fügung, das dies ausgerechnet immer gegen unsere Elf vom Niederrhein passiert. Das beim ersten Torschuss der Borussen überhaupt in der Partie gegen das Starensemble von der Isar die Kugel einschlägt, spielt uns zwar extrem in die Karten, aber wer das gesamte Spiel verfolgt hat am späten Sonntag Nachmittag, der hat eine taktische Meisterleistung gesehen. Clever verteidigt, brandgefährlich und eiskalt bei den Kontern, breite Brust, Selbstvertrauen bis in jeder Haarspitze. So und nicht anders muss man beim designierten deutschen Meister auftreten!

Bereits im Vorfeld der Partie zu sagen, wir wollen da was holen musste schon aufhorchen lassen. Zumeist fahren die Gegner ja nur nach München um nicht abgefertigt/abgeschlachtet zu werden. Danksagungen für ein "tolles Erlebnis" nach einer 0:6 Pleite wie zuletzt von Paderborner Seite zu hören waren oder ein schöngeredetes 1:4 von unserem rheinischen Nachbarn kommen den Bayern doch gerade recht um sich noch mehr gebauchpinselt zu fühlen. Das man aber mit einer klugen Strategie und einem ausgetüftelten Matchplan so viel mehr erreichen kann hat man gestern eindrucksvoll bestaunen können. Viele mögen sagen "Antifußball", "nur hinten reingestellt" usw.
Das man gegen diese Bayern keinen Hurra-Fußball spielen kann, müsste jedem halbwegs normal denkenden Menschen bewusst sein. Aber man kann die Bayern zwingen, das zu spielen was sie nicht mögen. Nämlich über die Flügel mit Flanken zu arbeiten und nicht aus der Tiefe des Mittelfeldes in die Gefahrenzone durch die Mitte den Ball durchkombinieren zu können. Borussia hat bewiesen das man nach München fahren kann ohne die Hosen voll zu haben. Alleine deshalb ist der Sieg (trotz fast 70 % Ballbesitz der Bayern) verdient!

Da Auswärtssiege in München nicht jeden Tag daher kommen wie der Postbote mit den Rechnungen, macht diesen Erfolg aus Sicht eines Fans nur um so schöner. Und diese 3 Punkte hätte uns niemand (und wenn wir ehrlich sind nicht mal wir selbst) zugetraut. Ein Ausrufezeichen an die Liga und vor allem an die direkten Konkurrenten um die Champions League Plätze Schalke und Leverkusen. Die Werkself dachte schon nach dem Sieg gegen den S04: "Da haben wir mal einen dicken Brocken rausgehauen für die Konkurrenz und uns Platz 3 für mindestens 2 Wochen erobert". Und auf der blau-weißen Seite war man sich denke ich mehr als sicher das am Ende des Spieltages es "nur" 5 Punkte Rückstand sind auf die Borussia. Nach diesem tollen Match gegen fast schon hilf- und (tor)chancenlose Münchener sieht die Realität anders und sehr viel schöner aus! Platz 3 zurückgeholt, 8 Punkte Vorsprung auf den FC Schalke. Das nenne ich mal einen raushauen!

Jetzt heißt es 2 Wochen durchatmen, regenerieren, und mit einem Sieg in Hoppenheim das ganze veredeln. Wir sind schließlich grad in der Stimmung für seltene Auswärtssiege! Wenn die Mannschaft so weiter macht wie bisher, dann kann die Belohnung nur die Königsklasse sein. Und das würde wiederum auch bedeuten, das wir unsere ach so geliebten Auftritte an Sonntagen um 17.30 Uhr erstmal zu den Akten legen können!