Borussia unterliegt zuhause der Eintracht aus Frankfurt mit 1:3. Die zweite Niederlage in der Bundesliga in Folge. Nach der beeindruckenden Serie von 18 Pflichtspielen in Folge ohne Niederlage nun also gleich zwei am Stück. Mit 20 Punkten steht man zwar immer noch recht komfortabel in der Tabelle da, und eigentlich ist eine Heimpleite gegen stark spielende Hessen auch kein Beinbruch, aber...
...was für Lehren kann man aus dieser Partie ziehen? Einige! Es fällt auf das Borussia nicht so stabil ist wie viele "Experten" dies herbeigeschrieben haben. Die Tatsache alleine ist nicht weiter dramatisch. Lautet doch die Saisonvorgabe die erneute Teilnahme am europäischen Geschäft, sprich Platz 6 (plus x). Keiner würde sich beschweren wenn am Ende ein Platz in der Königsklasse herausspringt. Man ist also von den eigenen Ansprüchen keinesfalls meilenweit entfernt. Eine schwächere Phase innerhalb der Saison ist völlig normal. So mancher "Fan" gestern im Stadion mag das wohl ein wenig anders sehen. Zugegeben habe ich mich auch geärgert über das Spiel gestern. Als Fan möchte man seine Mannschaft gewinnen sehen. Man möchte schönen Fußball sehen, viele Tore und am Ende drei Punkte für unser Team. Kann nicht immer klappen und in den letzten Jahren (speziell vor der Rückrunde 2011) ist mit "nicht immer" eigentlich "so gut wie nie" gemeint. Wenn allerdings die feine Gesellschaft auf den Rängen, die den Borussia-Park gestern zu einem neuerlichen "ausverkauft" gebracht haben und vor 3 Jahren offensichtlich noch nie ein Spiel der Borussia live verfolgt, geschweige denn von einer Sportart namens Fußball gehört haben, mehr als fragwürdige Kommentare zum Geschehen auf dem Rasen abgeben und in Scharen das Stadion ab der 75. Minute verlassen, kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln. Sätze wie "Die sollen absteigen mit so einer Leistung" ist da noch das harmloseste. An alle die, die meinen nach ein paar guten Spielen sei es irgendwie "hip" oder "in" sich für einen echten Borussen zu halten und nach den ersten Misserfolgen ihre auswendig gelernten Stammtischparolen raus zu feuern, denen sei gesagt: bleibt doch lieber zuhause und mäht euren Rasen, wascht euer Auto, füllt von mir aus die GEZ-Unterlagen aus. Aber kommt nie wieder in den Borussia-Park!
Zum Spiel selber nun noch ein bis zwei Sätze. Es ist leider so, das ein Martin Stranzl das sensible Gebilde in der Abwehr eindeutig zusammen hält. Fehlt er, bekommt die Mannschaft Probleme. Hinzu kommt, das ein Oscar Wendt auf der Position des Linksverteidigers einmal mehr überfordert war. Schlechtes Stellungsspiel, schlechte Zweikampfquote. Leider nicht zum ersten Mal in dieser Spielzeit. Vielleicht wäre eine Variante mit Dominguez auf links und Roel Brouwers in der Innenverteidigung die bessere Lösung gewesen. Zumal die Eintracht die linke Seite als Schwachstelle schnell ausgemacht hat und viele Angriffe der Hessen über diese oftmals sträflich offengelassene Zone fuhren.
Das dann an einem Tag wie gestern vieles zusammen kommt sieht man daran wie die Tore zum 1:2 und 1:3 fallen. Den Schuss des Frankfurter Angreifers pariert der bis dahin wieder einmal starke Yann Sommer noch, aber der Abpraller fällt Alex Meier direkt vor den Schlappen und braucht die Kugel nur noch über die Linie zu schieben. Das Sommer dann auch mit einem dicken Bock das 1:3 verschuldet weil er das Spiel schnell machen will, dabei aber den Ball den Frankfurtern direkt in die Füße spielt, ist bitter aber verschmerzbar. Trotzdem kein größerer Vorwurf an der Schlussmann denn der Schweizer spielt bis hierhin eine tadellose Saison. Shit happens.
Unter "Shit happens" kann man den Fauxpas des anderen Schweizers Granit Xhaka sicherlich nicht einordnen. Das Xhaka ein kleiner Hitzkopf ist war vorher schon bekannt. Das er das gestern auch wieder unter Beweis stellen musste, das hätte es sicher nicht gebraucht. Erst aus Frust den Ball weghauen und dafür gelb zu sehen ist zwar ärgerlich aber da kann man noch sagen ok. Nur eine Minute später wie ein Berserker einen Frankfurter im Mittelfeld völlig ohne Not umzupflügen und folgerichtig gelb-rot zu sehen ist dann schon mit verlaub sehr dämlich.
Es gilt jetzt für die Borussia, diese bis hierhin sehr intensive Hinrunde zu einem vernünftigen Abschluss zu bringen und sich nicht von dem leichten Abwärtstrend anstecken zu lassen. Weder auf dem Rasen noch auf den Rängen. Am Donnerstag geht es ja zum Glück schon weiter in Villarreal. Dort kann man die Möglichkeit nutzen, zuletzt eingebüßtes Selbstvertrauen wieder herzustellen.
Bökelberg
Sonntag, 23. November 2014
Samstag, 4. Oktober 2014
Nachtzug, Schifffahrt, Anker-Pils - Reisebericht Zürich
Da mit fortschreitendem Alter möglichst angenehme Anreisen zu Spielen von mittlerer bis großer Entfernung bei unserer Reisegruppe erwünscht sind, bot der Nachtzug ab Düsseldorf um 23.13 Uhr am Mittwoch Abend eine gute Alternative zu den beiden Entlastungszügen, welche sich Donnerstag früh auf den Weg Richtung Schweiz machten. Und zu meiner Überraschung gibt es bei der (deutschen) Bahn sogar noch Zugbegleiter, die Fußballfans nicht von vornherein wie den letzten Abschaum behandeln. Denn die Zugbegleiterin präsentiert sich uns freundlich, zuvorkommend und witzig! Und das beste daran: sie bietet uns ein kostenloses "Upgrade" an. Wir durften von unseren reservierten Schlafkomfortsitzen umziehen in ein eigenes Schlafabteil. So ein Angebot lehnt man natürlich nicht ab. So teilt sich nach ein paar Absacker-Bierchen die Gruppe zunächst auf in die schlafsuchende und in die weitertrinkende Sektion. Letztere gönnt sich bei einem einstündigen Aufenthalt um 3 Uhr morgens in Mannheim noch einen kapitalen 1 kg- Döner als Betthupferl. Was für den Moment nach einer Spitzenidee klingt, selbiger jedoch nach einem späteren wie soll ich sagen "Wiedereintritt in die Erdatmosphäre" verlangt, wurde vielleicht nicht ausreichend im Voraus bedacht.
Denn hier kommt das Hotel ins Spiel. Ankunft in Zürich um 8.45 Uhr, Check-In im "EasyHotel" erst um 15 Uhr möglich. Der Versuch zumindest ein Zimmer früher zu beziehen (was pro Zimmer 20 Franken extra kostet) scheitert kläglich daran, das der "Early-Check-In" frühestens um 13 Uhr vollzogen werden kann. Frage an der Rezeption: "Habt ihr in der Lobby eine Toilette?"
Antwort:"Nein!" Frage an einige Mitstreiter an sich selbst: "War das nächtliche Mannheim-Deluxe-Menu immer noch eine gute Idee?" Antwort (etwas gequält): "Geht so!"
Immerhin gibt es ein Schließfach im Hotel für 5 Franken wo das Gepäck verstaut wird und man seinen Weg zumindest vom äußeren Ballast befreit fortsetzen kann. Auf dem Weg zurück zum Bahnhof dann die Erlösung. In einer Shopping-Mall gibt es (kostenlose) Toiletten und die angeregte Darmflora kann sich wieder entspannen! Und der Supermarkt ein paar Meter weiter lädt ein zum Nachtanken der Biervorräte und das sogar für relativ angenehme 10 Franken für das (eisgekühlte) Six-Pack.
Auch das Tagesticket für die öffentlichen Verkehrsmittel weiß mit 8,40 CHF für 24 Stunden zu überzeugen und wir machen uns auf den Weg zum Zürichsee. Eigentlich nur um dort etwas zu verweilen und bei schönem Panorama ein paar Kaltgetränke am Ufer zu verzehren. Beim Anblick der Schiffe die ständig an- und ablegen keimt der Wunsch auf, vielleicht eine kleine Rundfahrt auf dem See in betracht zu ziehen. Während einer sich nach dem Preis erkundigt und alle anderen schon damit rechnen das es wahrscheinlich um die 20 CHF kosten wird, die nächste Überraschung. 1 1/2 Stunden auf dem See für schlappe 8,20 CHF. Einstimmiger Beschluss: Machen wir! Und die nächste Überraschung sofort hinterher. Bei Besitz eines Tagestickets für die öffentlichen Verkehrsmittel halbiert sich der Preis nochmals. Ein Traum! Alle Mann an Bord. Und selbst an Bord noch ein kleines Wunder: wir dürfen unsere mitgebrachten Getränke problemlos verzehren! Was will man mehr?
Nach dieser kleinen Rundfahrt stand auch schon der nächste Programmpunkt auf dem Plan. Um 14 Uhr sollte eine kleine Führung durch das neu eröffnete Vereinsmuseum des FC Zürich stattfinden mit anschließendem Spaziergang zu einigen historischen Orten der Clubgeschichte. An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an den Initiator jener kleinen Zeitreise. Saro Pepe, seines Zeichens Leiter des Vereinsmuseums und Archivar des FCZ merkt man in jedem Moment an, das er seinen Club tief im Herzen trägt. Er erzählt mit totaler Leidenschaft und viel Herzblut einiges über die Geschichte des FCZ, kleine kurzweilige Anekdoten und macht diese Führung wirklich zu einem unvergesslichen Erlebnis. Es geht um Pokale, Trikots, Spieler, Trainer und legendäre Spiele. Beim anschließenden kleinen Rundgang durch die Stadt sind historische Orte wie der Tabakladen des ehemaligen langjährigen Präsidenten Naegeli, der Helvetia-Platz wo die Titelfeiern stattfinden und das allererste Stadion des FCZ (der Utogrund) im Fokus. Da der Utogrund (Luftlinie übrigens ca 400 m vom Letzigrund entfernt) keine Umkleidekabinen besaß in früheren Zeiten, musste sich die Mannschaft im 50 m neben dem Stadion gelegenen Café Hubertus umziehen, Dort sollte die kleine Gruppe von Interessierten auch im Anschluss einkehren um Bier (0,5 Liter Anker-Pils für wirklich faire 6 CHF) und Wurstplatten mit Brot (aufs Haus) zu genießen!
Nach diesem erhellenden Nachmittag sitzt man gesellig zusammen im Biergarten des Hubertus und tauscht sich aus. Einige entscheiden sich dazu, sich zum Marsch zu begeben, die anderen bleiben im Schatten des Letzigrund-Stadions zur weiteren Einnahme von kühlen Getränken. Das der Marsch sicherlich beeindruckend war möchte ich nicht abstreiten, aber einmal in unmittelbarer Nähe des Stadions verspüren einige doch eher wenig Lust quer durch die Stadt zu fahren um dann 4 km wieder zurück zu laufen.
Über das Spiel selber braucht man glaube ich keine großen Worte zu verlieren. Das wurde an anderer Stelle bereits zu Genüge getan. Nur soviel: 2 Punkte wurden liegen gelassen bei der Vielzahl an Chancen. Immerhin blieb man weiterhin ungeschlagen. Die Stimmung war soweit ok. Das bei ca 8000 mitgereisten Borussen nicht jeder so mitmacht, wie er könnte ist bei solch einer Masse nicht verwunderlich. Im großen und ganzen war es trotzdem ein stimmungsvoller Abend im Letzigrund vor 18.400 Zuschauern. Was aber auch daran lag, das die Heimkurve im Gegensatz zum Ligabetrieb die Möglichkeit hatte, auch mal gegen Gästefans anzusingen. Über die Pyroshow von beiden Seiten möchte ich eigentlich keine Diskussion lostreten. Ich persönlich finde es nach wie vor sehenswert auch wenn es viele gibt, die hier eine andere Meinung vertreten. Nichts desto trotz ist es nun mal ein Bild der Kurve gewesen am Donnerstag Abend und wird demnach auch ordnungsgemäß hier dokumentiert.
Auch die anschließende obligatorische Blocksperre war mit 30 Minuten angenehm kurz gehalten und die durchweg entspannt agierenden Ordner und Polizisten sorgten für einen problemlosen Abmarsch vom Stadion. Im allgemeinen wurde einem in der Schweiz von allen Seiten sehr herzlich gegenüber getreten und auch das machte den Aufenthalt bei den Eidgenossen zu einem durchweg tollen Erlebnis. Eine Wiederholung vielleicht mal gegen einen anderen Schweizer Club ist also durchaus erwünscht. Nach dem Kür in der Europa-League folgt am Sonntag aber wieder der "Business as Usual". Bundesliga gegen Mainz 05 bevor es danach mal wieder in eine der (für mich überflüssigen) Länderspielpausen geht. Grüezi!
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